Großes, altes Aua
Seit Tagen laufe ich mit fadenscheinigen, abgelebten Krisen rum. Eine alte Wunde ist aufgegangen und blutet durch die Narbe, durch den Schorf, durchs Vergessene hindurch. So gründlich habe ich vergessen, dass es als überwunden galt. Seit Tagen projiziere ich diese Krise nach Außen. Denn ich möchte gegenwärtig bleiben, das verteidige ich. Dabei merke ich, und wollte es erst nur so absolut nicht einsehen müssen, dass das, was in mir vorgeht, aus einer Dunkelheit kommt, die peinlicherweise sogar hell beleuchtet ist. Was wirklich in mir vorgeht, soll niemand sehen. Denn da ist etwas Aufgerührtes, mit dem ich bei gewordner Erwachsenen-Abgeklärtheit einfach keinen souveränen Umgang mehr habe. Und da ich in meinem gegenwärtigen Leben weitermachen, weiterspielen muss, wird es mir gerade sehr schwer.
Vor einigen Tagen habe ich, sagen wir am 4.6., das Buch „Dies ist kein Liebeslied“ von Karen Duve gelesen. In einem Rutsch. Ich konnte es nicht mehr stoppen. Und ich habe mir etwas angehext. Ich habe mir etwas angehext, habe mir diese stille Selbstbeobachtung, die im Innern laut wütet, angehext, die der Protagonistin zu eigen ist. Ich beobachte nun wie sie es, sprachlich virtuos vorgetragen, tut, meine körperliche Versehrtheit, diese Versehrtheit von Anfang an. Bin wieder da, wo ich irgendwann mal war, wo ich tief drinnen bin: zu dick, zu hässlich. Nein. Nur einfach: Bei näherer Betrachtung aus unerfindlichen Gründen abstoßend. Und abstoßender, als ich es mir schön geredet habe. Andere sind schön. Sie sind es sogar manchmal, manche, in jenem Sinne, wie es auf Titel- und Werbebilder passt. Nur dieser Sinn gilt noch. Mein Eigenes, mein „Ich bin wie ich bin“, mein individuelles genau so auch schön Sein, das geht nicht, das ist Trug. Ich schaue in den Spiegel, ich schaue auf die Fotos, die man mir vom Seminar schickt. Ich sehe: Ich bin einfach hässlich, abweichend, es macht mir regelrecht Angst, als schlösse mich dieses Mittelmäßige in Sachen Schönheit aus, und als könnte ich nichts, nichts, nichts mehr beanspruchen. Ich habe mich schön gefühlt, aber ich bin es definitiv nicht.
Das hat mir dieses Buch angehext. Und ich nehme es ihm nicht übel. Ich bin verblüfft, ich bin erschüttert. Ich mache eine Krise durch, die ich vielleicht gebraucht habe. Irgendwo wurde das Buch als „aufklärerisch“ bezeichnet. Das ist es wohl. Nur nicht gerade in diesem landläufigen Sinne, wo man meint, es geht durch den Kopf, flach über die Stirn wie ein Luftzug, so wie vielleicht diese Männer-Auf-und-Abgeklärtheit geht. Oh nein! Es geht viel tiefer, irgendwo in den Körper, wo die Versehrtheit und die ohnmächtig gebliebenen Teile der Seele liegen, da erzeugt es bei mir ein Weinen und da bin ich gar nicht so standfest wie ich tat. Da falle ich um Jahre zurück, um mir den zweiten Schub der allerschönsten Midlifecrisis zu gönnen.
Vor einigen Tagen habe ich, sagen wir am 4.6., das Buch „Dies ist kein Liebeslied“ von Karen Duve gelesen. In einem Rutsch. Ich konnte es nicht mehr stoppen. Und ich habe mir etwas angehext. Ich habe mir etwas angehext, habe mir diese stille Selbstbeobachtung, die im Innern laut wütet, angehext, die der Protagonistin zu eigen ist. Ich beobachte nun wie sie es, sprachlich virtuos vorgetragen, tut, meine körperliche Versehrtheit, diese Versehrtheit von Anfang an. Bin wieder da, wo ich irgendwann mal war, wo ich tief drinnen bin: zu dick, zu hässlich. Nein. Nur einfach: Bei näherer Betrachtung aus unerfindlichen Gründen abstoßend. Und abstoßender, als ich es mir schön geredet habe. Andere sind schön. Sie sind es sogar manchmal, manche, in jenem Sinne, wie es auf Titel- und Werbebilder passt. Nur dieser Sinn gilt noch. Mein Eigenes, mein „Ich bin wie ich bin“, mein individuelles genau so auch schön Sein, das geht nicht, das ist Trug. Ich schaue in den Spiegel, ich schaue auf die Fotos, die man mir vom Seminar schickt. Ich sehe: Ich bin einfach hässlich, abweichend, es macht mir regelrecht Angst, als schlösse mich dieses Mittelmäßige in Sachen Schönheit aus, und als könnte ich nichts, nichts, nichts mehr beanspruchen. Ich habe mich schön gefühlt, aber ich bin es definitiv nicht.
Das hat mir dieses Buch angehext. Und ich nehme es ihm nicht übel. Ich bin verblüfft, ich bin erschüttert. Ich mache eine Krise durch, die ich vielleicht gebraucht habe. Irgendwo wurde das Buch als „aufklärerisch“ bezeichnet. Das ist es wohl. Nur nicht gerade in diesem landläufigen Sinne, wo man meint, es geht durch den Kopf, flach über die Stirn wie ein Luftzug, so wie vielleicht diese Männer-Auf-und-Abgeklärtheit geht. Oh nein! Es geht viel tiefer, irgendwo in den Körper, wo die Versehrtheit und die ohnmächtig gebliebenen Teile der Seele liegen, da erzeugt es bei mir ein Weinen und da bin ich gar nicht so standfest wie ich tat. Da falle ich um Jahre zurück, um mir den zweiten Schub der allerschönsten Midlifecrisis zu gönnen.
wasserfrau - 12. Jun, 00:09
Ich lasse einen herzerwärmenden Sonnenstrahl und eine dicke Umarmung hier.